Épisodes

  • 03 - Freie Assoziation I: Bis hierhin alles gut?
    Jan 30 2026

    In der dritten Episode machen André und Mark im freien Gesprächsmodus („Alles und Nichts“) eine Art Standortbestimmung: Was soll Maelstrom eigentlich sein, wie frei darf/ soll das Format werden – und kann „Freie Assoziation“ sogar als regelmäßige Rubrik funktionieren?

    Dabei erklären sie auch den Titel als Strudel-Metapher: ein Gespräch, das Alltagskram und Weltaufbau, Ontologie oder Politik unerwartet verbindet (nur idealerweise ohne völlig absurde Ableitungen).

    Dann folgt Selbstkritik zur ersten Folge: Unvorbereitetheit hat Charme, aber produziert Unschärfen – etwa wenn Kybernetik und Kybernetik 2. Ordnung vermischt werden, oder wenn „linke Kybernetik“ zu schnell verneint wird (Stichwort: Chile/Allende, kybernetisch gedachte Planungs- und Netzwerkideen; außerdem der kurze Abzweig in kuriosere linke Randbiotope).

    Von dort aus rutschen sie in die große Frage, ob moderne Digitalisierung/AI Planung und Verteilung heute prinzipiell realistischer machen könnte – bei gleichzeitig riesigen politischen Hürden (Weltsystem, Machtfragen, Demokratieabbau).

    Im zweiten großen Block wird es erkenntnis- und ideologiekritisch: Mark und André streifen Poststrukturalismus/Lacan/Žižek/Adorno und hängen sich an der Frage auf, wie sehr „Unverfügbarkeit“ (das Reale, der große Andere, das Nicht-Identische) zu einer klugen Grenze des Wissens wird – und ab wann sie als kulturelle Haltung in Zynismus kippt: „Man kann sowieso nichts glauben“ vs. „Ich glaube jeden Schund“. Das wird dann politisch zugespitzt (Trump als Widerspruchsmaschine; Putin-Propaganda als System, das Wahrheit so vernebelt, dass selbst Skeptiker:innen gelähmt werden) – plus die Sorge, dass KI/Bots/Fake News diesen Effekt noch verstärken.

    Schließlich landet ihr bei Gegenwartsdebatten (Woke/Anti-Woke, Merz’ „Stadtbild“-Rhetorik, Positionierungszwang, Diskursangst) und deutet den Backlash psychodynamisch: sozialer Druck und moralische Über-Ich-Mechanik erzeugen Frust, der später als „Befreiung“ regressiv entlädt (Marcuse: regressive Entsublimierung / repressive Toleranz als Denkwerkzeuge). Gleichzeitig wird betont: Rechte Politik bleibt Verantwortung rechter Akteure – Woke ist kein magischer Hauptschuldiger, sondern (wenn überhaupt) ein Katalysator in einem ohnehin brüchigen Feld.

    Nebenbei wird ein sehr konkreter Ausblick geboren: eine Folge, die am Text entlang arbeitet – etwa am Kommunistischen Manifest (Quellenkritik, literarische Qualität, Aktualität vs. Grobschlächtigkeit) – und eine kleine Abrechnung mit „15-Minuten-Zusammenfassungen“ à la Blinkist als Halbwissen-Maschine.

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    1 h et 31 min
  • 02 - Dialektik: Negation, aber richtig
    Jan 29 2026

    In Folge 2 dreht sich bei Maelstrom – Dissonante Diskurse alles um Dialektik: Was ist das überhaupt – Methode, Weltbewegung, oder beides zugleich?

    André und Mark tasten sich vom historischen Hintergrund (Antike/Aristoteles als Stichwort, dann vor allem Kant → Hegel → Marx → Adorno) zu den zentralen Motiven vor: Bewegung/Entwicklung, Negation und „Negation der Negation“, der Umschlag von Quantität in Qualität (Samen–Baum–Wald / Knospe–Blüte), sowie die Unterscheidung von Erscheinung und Wesen.

    Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Dialektik sich zu „klassischer“ Wissenschaft verhält: Während Naturwissenschaft über Empirie/Experimente arbeitet, ist Dialektik zunächst eine Denkbewegung – und zugleich gefährdet durch ihren Hang zu Teleologie (alles „muss“ auf ein Ziel hinauslaufen). Das wird politisch brisant: Hegels „Weltgeist zu Pferde“ (Napoleon) führt zur Debatte, wie leicht Fortschrittserzählungen Gewalt nachträglich vernünftig erscheinen lassen können – und wie der Faschismus diese Logik sprengt.

    Darum kommt Adorno als Wendepunkt: negative Dialektik, „das Ganze ist das Unwahre“, das Nicht-Identische als Rest, der sich nicht in Begriffe einfangen lässt. Von dort aus wird Dialektik als reflexive Methode greifbar: Geschichte verändert die Methode selbst (anders als beim kritischen Rationalismus).

    Praktisch wird das u. a. am Beispiel Arno Dübel/Bürgergeld-Hass gezeigt: das Einzelphänomen als Fenster in die gesellschaftliche Totalität (Leid an Arbeit, „zweite Natur“, Bullshit-Jobs).

    Am Ende landen wir überraschend bei Ethik: Dialektik löst Dilemmata (Trolley-Problem) nicht durch saubere Rechenregeln, sondern fragt nach den Bedingungen, die das Dilemma erzeugen – mit dem Ziel, Freiheit so zu denken, dass sie die eigene Unfreiheit erkennt.

    Und vor Allem: Haltet euch von Sekten fern.

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    1 h et 19 min
  • 01 - Die Abenteuer der Kybernetik
    Jan 28 2026

    In der Pilotfolge von „Maelstrom – Dissonante Diskurse“ tasten sich André und Mark an einen Begriff heran, der erstmal nach Ingenieurwesen klingt – und dann plötzlich mitten in Philosophie, Gesellschaft und Therapie landet: Kybernetik.

    Ausgangspunkt ist das klassische Thermostat-Beispiel (Regelkreis, Feedback, Selbstregulation) – und von dort geht’s weiter zur Kybernetik 2. Ordnung, wo der Beobachter nicht mehr außerhalb steht, sondern selbst Teil des Systems ist.

    Dabei verschränken sich mehrere Denkwelten: Systemtheorie und radikaler Konstruktivismus (bis hin zu Luhmanns „Kommunikation kommuniziert“), aber auch Dialektik als Gegenentwurf zum reinen „Status-quo-Beschreiben“. Mark bringt außerdem Gotthard Günther ins Spiel – als Versuch, dialektisches Denken und Kybernetik zusammenzudenken.

    Konkreter wird’s, als die beiden die Brücke zur systemischen Beratung/Therapie schlagen: Hypothesen statt Wahrheitsanspruch, „Irritation“ statt Deutung, zirkuläre Fragen und paradoxe Interventionen – plus die heikle Stelle, wo Systemdenken in die Versuchung gerät, Verantwortung zu verwischen (Victim-Blaming, Machtasymmetrien, „wenn alles Konstruktion ist, ist nichts falsch“).

    Skepsis ist hier nicht Dekoration, sondern Thema.

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    1 h et 7 min